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Hintergrund und Analyse

Warum wir Open Working Hours bauen – und welches Problem wir lösen wollen.

Hintergrund

In vielen Bereichen überschreitet die Arbeitsbelastung in deutschen Krankenhäusern regelmäßig zulässige Grenzen.[1] Ärztliches und pflegerisches Personal macht systematisch Überstunden – und oft werden diese nicht vollständig erfasst.[2][3]

Die Folgen sind gut belegt:

  • Mehr Burnout und mehr Abwanderung von Fachkräften[4][5]
  • Höheres Risiko für Behandlungsfehler, auch vermeidbare[6]
  • Längere Wartezeiten und schlechtere Versorgungsqualität für Patient*innen[7]

Diese Probleme sind bekannt. Trotzdem ändert sich strukturell oft wenig.

Analyse

Krankenhäuser stehen unter starkem wirtschaftlichem Druck.[8][9] Eine typische Reaktion: Personalkosten senken. Das führt häufig zu dauerhafter Unterbesetzung.[8][10]

In funktionierenden Systemen gibt es Mechanismen, die gegensteuern:

  • Markt (wo Wahl möglich ist): Patient*innen und Fachkräfte wechseln die Einrichtung. Das erzeugt Druck.
  • Recht: Verstöße gegen Arbeitszeitregeln[1][11] oder Haftungsfälle bei Behandlungsfehlern[6] können Folgen haben.

Beide Mechanismen brauchen aber dasselbe: sichtbare, belastbare Nachweise.

Genau hier liegt das Kernproblem: Die tatsächliche Arbeitsbelastung wird oft nicht vollständig, unabhängig und vergleichbar erfasst.[2][3][11]

  • Ohne gute Daten gibt es kaum Nachweise.
  • Ohne Nachweise entsteht wenig Druck.
  • Ohne Druck bleibt die Korrektur aus.

Lösungsansatz

Open Working Hours setzt genau hier an: Es schafft systematische Transparenz, ohne Einzelpersonen zu gefährden.

Beschäftigte können ihre Arbeitszeiten auf dem eigenen Gerät erfassen und anschließend anonym zu Statistiken beitragen. Veröffentlicht werden keine personenbezogenen Daten, sondern nur aggregierte Kennzahlen auf Einrichtungsebene – und erst, wenn genügend Personen mitmachen (Mindestgruppengröße).

Das Prinzip:

  • Menschen schützen: Niemand soll durch das Dokumentieren von Überlastung Nachteile oder Risiken bekommen.
  • Verantwortung sichtbar machen: Arbeitsbedingungen sollen dort ankommen, wo entschieden wird – bei den Personen, die Personal- und Organisationsstrukturen festlegen.

Die Daten können als Nachweis dienen:

  • in Tarifverhandlungen
  • in gesundheitspolitischen Debatten
  • wenn nötig: in rechtlichen Auseinandersetzungen

Quellen

  1. Arbeitszeitgesetz (ArbZG), § 3 Arbeitszeit der Arbeitnehmer. Gesetze-im-Internet
  2. Marburger Bund: „Massive Verstöße der Unikliniken gegen Vorschriften zur Arbeitszeiterfassung …" (25.06.2025). marburger-bund.de
  3. Deutsches Ärzteblatt: „Großteil der Unikliniken verstößt gegen Arbeitszeiterfassung" (25.06.2025). aerzteblatt.de
  4. WSI-Mitteilungen: „Arbeitsbedingungen, Gesundheit und Erschöpfung bei Krankenpflegekräften in Deutschland". wsi.de
  5. BARMER: „Pflegestudie 2.0" (2023). barmer.de
  6. Medizinischer Dienst Bund: Jahresstatistik Behandlungsfehler-Begutachtung (2024) / Presseinfo (30.10.2025). md-bund.de
  7. Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG): „… gegen Fachkräftemangel" (12.10.2025). dkgev.de
  8. DKI: „Krankenhaus Barometer 2025" (29.12.2025). dki.de
  9. DKG: „Viele Krankenhäuser kämpfen ums Überleben" (29.12.2025). dkgev.de
  10. BDO & DKI: „Personalnotstand im Krankenhaus – Quo vadis?" (2024). bdo.de
  11. BAG: Beschluss 1 ABR 22/21 (13.09.2022) + BMAS FAQ. bmas.de
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